Architektonisches Konzept
Der Neubau steht wie seine beiden Vorgängerbauten zurückversetzt von den Baufluchten der gründerzeitlichen Umgebung auf dem Grundstück. Dadurch wird das Botschaftsgebäude von einem groß- zügigen Garten mit altem Baumbestand umgeben; zugleich trägt der Abstand zum öffentlichen Raum den Sicherheitsanforderungen Rechnung. Die Komposition des Baukörpers folgt der Verteilung der Nutzungen: die viergeschossige Kanzlei mit den Büros und der Pass- und Visastelle ist über den zweigeschossigen Trakt der Emp- fangsräume mit dem fünfgeschossigen Wohnbereich der Residenz verbunden. Diese Gliederung folgt dem Wunsch, die Empfangsräu- me sowohl von der Kanzlei als auch von der Residenz aus nutzen zu können. Die zentrale Bedeutung dieser Räume findet ihren architek- tonischen Ausdruck in der Offenheit der verglasten Bel Étage und der angeschlossenen Residenzterrasse, die über eine Wendeltreppe mit dem Garten verbunden ist. So vermittelt die Botschaft trotz hoher Sicherheitsanforderungen ein Bild von Transparenz und Offen- heit gegenüber ihrer Umgebung.
Foto: ©tschinkersten fotografie.
Im Inneren verbindet eine über alle Etagen der Kanzlei reichende Eingangshalle die unterschiedlichen Funktionsbereiche visuell miteinander – bei gleichzeitiger, sicherheitsbedingter Trennung der Personenströme. Vom Erdgeschoss aus gelangt man direkt in den Veranstaltungssaal, der über separate Außenzugänge mit dem Resi- denzgarten verbunden ist. Eine großzügige Treppe führt zudem von der Halle in die Empfangsräume der Bel Étage.
Modelbild. Foto: ©BBR/Bernd Hiepe.
Die Baukörper sind vollständig mit Krastaler Marmor verkleidet, einem Naturstein aus dem Gastgeberland Österreich. Seine helle, lebendige Oberfläche verändert je nach Lichteinfall ihre Anmutung und verstärkt so die Plastizität der architektonischen Komposition. In den Bodenbelag der Residenzterrasse, ebenfalls aus Krastaler Marmor gefertigt, sind Bodenreliefs integriert, die als Kunst am Bau von Blasius Spreng für den Vorgängerbau von Rolf Gutbrod geschaf- fen wurden. Ein besonders intensives Zusammenspiel von Kunst und Architektur zeigt sich im neu geschaffenen Kunstwerk „Deform“ von Stefan Sous. Dabei handelt es sich um eine kreissegmentartige Ver- formung des die Botschaft umgebenden Zauns – ein künstlerischer Eingriff, der symbolisch einen Teil des Botschaftsgrundstücks an die Wiener Öffentlichkeit zurückführt.
Foto: ©tschinkersten fotografie.
Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung
Das Projekt folgt den Empfehlungen des Leitfadens Nachhaltiges Bauen und orientiert sich am Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB). Der Neubau wurde deutlich kompakter als der Vor- gängerbau konzipiert. Durch die kleinere Grundfläche konnte mehr entsiegelte Freifläche geschaffen werden. Die geringe Flächenver- siegelung, der hohe Anteil an bestehendem und neu gepflanztem Baumbestand sowie die Begrünung des Kanzleidaches tragen zur Verbesserung des Mikroklimas im dicht bebauten städtischen Um- feld bei. Das gesammelte Niederschlagswasser wird in einer Zisterne gespeichert und für die Bewässerung des Gartens sowie zur Verdun- stung genutzt. Überschüssiges Wasser versickert kontrolliert über eine Rigole im Residenzgarten.
Foto: ©tschinkersten fotografie.
Energieeffizienz und Gebäudetechnik
Die gesetzlichen Grenzwerte für die thermische Qualität der Ge- bäudehülle werden deutlich unterschritten. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme, die zum Teil aus erneuerbaren Quellen oder aus Kraft-Wärme-Kopplung mit hohem Wirkungsgrad stammt. Für die Kälteversorgung wird eine Anlage mit einer Vorlauftemperatur von 12 °C (statt der üblichen 6 °C) eingesetzt, was den Stromver- brauch für die Kühlung um etwa 20 % reduziert. Ein außenliegender Sonnenschutz mit Screens minimiert den sommerlichen Wärmeein- trag. Für Heizung und Kühlung kommt ein flächenaktives System zum Einsatz, das sowohl energetisch effizient als auch komfor- tabel ist – anstelle eines klassischen Umluftinduktionssystems. In den Büro- und Wohnbereichen ist eine natürliche Fensterlüftung möglich, wodurch der Energiebedarf für die Raumkonditionierung zusätzlich reduziert wird.
Foto: ©tschinkersten fotografie.
Tageslicht, Beleuchtung und Eigenstromerzeugung
Die hohen Fensterflächenanteile ermöglichen eine ausgezeichnete Tageslichtversorgung. Die künstliche Beleuchtung erfolgt flächende- ckend mit LED-Technologie. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kanzlei erzeugt mit einer Leistung von 78 kWp eigenen Strom.
Die Heizungs- und Lüftungsanlagen werden bedarfsgerecht gesteu- ert, um Energieverluste zu minimieren.
Foto: ©tschinkersten fotografie.
Materialien, Kreislaufwirtschaft und Langlebigkeit
Beim Bau kamen ausschließlich gesundheits- und umweltverträg- liche Materialien zum Einsatz. Parkettböden, Wandverkleidungen, Decken- und Terrassenbeläge bestehen aus Holzprodukten aus zerti- fizierter Forstwirtschaft. Der für Fassaden und Bodenbeläge verwen- dete Kärntner Naturstein ist lokal verfügbar und weist durch kurze Transportwege eine sehr gute CO₂-Bilanz auf. Seine hohe Langlebig- keit reduziert den Instandhaltungsaufwand; die Fassade ist nahezu wartungsfrei und altert ästhetisch ansprechend. Die Materialien des Innenausbaus sind sortenrein rückbaubar. Die mechanische Befesti- gung der Fassadenplatten ermöglicht eine zerstörungsfreie Demon- tage und Wiederverwendung. Auch die Aluminiumprofile der Fenster verfügen über ein hohes Recyclingpotenzial.
Foto: ©tschinkersten fotografie.
Barrierefreiheit und Flexibilität
Alle Innen- und Außenbereiche sind vollständig barrierefrei gestal- tet. Die Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen sind schwel- lenlos ausgeführt. Durch die kompakte Gebäudegeometrie, eine effiziente Vertikalerschließung und flexible Fassadentrennwandan- schlüsse bietet das Gebäude eine hohe Anpassungsfähigkeit an künftige Nutzungsänderungen.
Foto: Roland Halbe.
Nuova Ambasciata di Germania a Vienna
Il nuovo edificio dell’Ambasciata di Germania a Vienna sorge in un ampio giardino arretrato rispetto alla strada, in continuità con le precedenti sedi sullo stesso lotto. La composizione distingue le funzioni: la cancelleria su quattro piani è collegata agli spazi di rappresentanza e alla residenza dell’ambasciatore, con un equilibrio tra sicurezza, trasparenza e apertura verso la città. Al centro, la Bel Étage vetrata e la terrazza della residenza si aprono sul giardino tramite una scala elicoidale. Rivestito in marmo Krastaler, un materiale naturale austriaco, l’edificio stabilisce un legame con il contesto locale. Tra gli interventi artistici figurano i rilievi di Blasius Spreng e Deform di Stefan Sous, che trasforma parte della recinzione in un gesto simbolico di apertura verso lo spazio pubblico. Il complesso, completato nel 2024, sostituisce la sede progettata da Rolf Gutbrod nel 1964 e riunisce in un unico luogo ambasciata, residenza e rappresentanza presso l’OSCE. Il progetto segue i criteri del Leitfaden Nachhaltiges Bauen e del sistema BNB, gli standard ufficiali di sostenibilità del governo tedesco, con attenzione a compattezza, efficienza energetica, uso di materiali locali e lunga durata.
(Riassunto in italiano a cura di weArch)
Foto: Roland Halbe.
New German Embassy in Vienna
The new German Embassy in Vienna, designed by Schulz und Schulz Architekten, stands within a large garden set back from the street, continuing the placement of its previous buildings on the same site. The composition separates functions: the four-storey chancery connects to the reception areas and the ambassador’s residence, balancing security with openness to the city. At its center, the glazed Bel Étage and adjoining terrace open to the garden via a spiral staircase. Clad in Krastaler marble, a local Austrian stone, the building emphasizes its link with the context. Integrated artworks include reliefs by Blasius Spreng and Deform by Stefan Sous, a sculptural intervention that symbolically opens the embassy perimeter to the public. Completed in 2024, the complex replaces the former embassy designed by Rolf Gutbrod in 1964 and brings together the German Embassy, the ambassador’s residence, and the Permanent Mission to the OSCE. The project follows the Leitfaden Nachhaltiges Bauen and BNB system, the German government’s official sustainability standards, focusing on compact design, energy efficiency, local materials, and long-term durability.
(English Summary by weArch)
Foto: Roland Halbe.








































